Sunday, June 30, 2002

Sonntag, 30. Juni, Chuuk Lagoon, bei Dublon

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 5.7 N 156.0 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 35 to 50 knots.

Es ist bewölkt aber etwas ruhiger. Kommt der Taifun, oder kommt er nicht ? Die S.S.Thorfinn hievt den Anker und sucht sich eine ruhigere Stelle im Windschatten der Insel.

Saturday, June 29, 2002

Samstag, 29. Juni, Chuuk Lagoon, bei Dublon

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 6.4 N 155.6 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 45 to 60 knots.

Es regnet den ganzen Tag wie aus Kübeln. Die Taifun-Warnung beschäftigt uns und wir versuchen uns etwas theoretisches Wissen über tropische Stürme anzueignen. Wir rechnen Knoten und Seemeilen in Beauforts und Kilometer um. Die auf den heutigen Tag in Aussicht gestellten 60 Knoten entsprechen nach unsern Berechnungen einer Windgeschwindigkeit von 110 km/h. Das entspricht in etwa Windstärke 11 auf der Beaufort-Skala. („Orkanartiger Sturm, schwere Sturmschäden und aussergewöhnlich hohe Wellenberge sind zu erwarten“).

Ab 150 km/k (Windstärke 14) wird dann aus dem Sturm offiziell ein Hurrikan oder Taifun der Klasse 1. Ab 210 km/h (Windstärke 17 plus) spricht man von einem Super-Taifun.

Friday, June 28, 2002

Freitag, 28. Juni, Chuuk Lagoon, Chuuk State, FSM

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 5.8 N 155.3 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 35 to 50 knots.

Im frühen Morgen erreichen wir die Lagune von Chuuk. Noch vor der Dämmerung haben wir den nordöstlichen Pass durchquert. Der Himmel ist grau. Aus der Sturmwarnung wird eine Taifun-Warnung. Einige unserer einheimischen Freunde verlassen das Schiff um nach ihren Familien zu sehen. Es regnet ununterbrochen. Trotzdem ist Barbecue angesagt und wir feiern eine gelungene Expedition.

Thursday, June 27, 2002

Donnerstag, 27. Juni Minto Reef, Ponape, FSM

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 5.5 N 155.7 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 35 to 45 knots.

Das Minto-Riff ist nicht wirklich ein Atoll und schon gar keine Insel. Man könnte es als Unterwasser-Atoll bezeichnen, das an seiner höchsten Stelle knapp bis unter die Wasseroberfläche reicht. Aber eben nur knapp. Und genau dies wurde hunderten von Schiffen zum tödlichen Verhängnis. Als wir uns diesen nicht wirklichen Inseln nähern, sehen wir zuerst nur Schiffwracks. Zu Dutzenden haben sie sich in die unsichtbaren Riffs gepflügt, sitzen immer noch aufrecht auf der Riffkante oder haben sich, müde geworden ob all der Meeresgewalt, in die Brandung geworfen. Sie liegen auf dem Meeresgrund, in Stücke gerissen, zerfleischt von der Urgewalt der Strömung.

Der Himmel ist grau, immer wieder regnet es und der Wind frischt auf. Trotzdem schnorcheln und tauchen wir an diesem Riff der verlorenen Seelen. Grauhaie bewachen die stählernen Leiber, riesige Papageienfische knabbern unerhört laut an bunten Korallenstöcken, Schildkröten so gross wie Gartentische bewegen sich elegant, Barrakudas stehen friedlich in der Strömung.

Unser Kapitän, ein gross gewachsener Kanadier, der genauso aussieht wie man sich als nicht seefahrender Schweizer einen Kapitän vorstellt, drängt zum Aufbrauch. Sturm ist angesagt. Nicht, dass ein Sturm diesen Kapitän wirklich beunruhigen könnte. Er ist 60 Jahre alt, hat alle Meere dieser Welt bereist und gehört wohl zu den Menschen die locker behaupten können, dass sie alles, wirklich alles erlebt haben.

Trotzdem, oder eben vielleicht genau deshalb lichten wir den Anker und fahren westwärts. Der Sturm nimmt zu. Wir dürfen uns nur noch auf dem Oberdeck aufhalten, die Wellen könnten uns sonst mitreissen. Ich verteile meine letzten 2 Packungen Reisetabletten – an die Crew. Schon eigenartig, dass die einzigen Bürger einer nicht Schiff fahrenden Nation auf diesem Schiff auf die Segnungen der Pharmaindustrie verzichten können.

Saturday, June 22, 2002

Samstag, 22. bis Mittwoch, 26. Juni Oroluk-Atoll

Das Oroluk-Atoll besteht insgesamt aus 19 Inselchen die eine Lagune von rund 400 km2 umschliessen. Das Atoll wurde erstmals 1824 vom amerikanischen Kapitän William Worth beschrieben. Das heimtückische Riff war noch vor 100 Jahren auf keiner Seekarte eingezeichnet und wurde manchem glücklosen Navigator zum Verhängnis.

Oroluk soll, gemäss alten Erzählungen, früher wesentlich grösser gewesen sein. Im 18. Jahrhundert jedoch soll ein Taifun Land und Leute ins Meer gespült haben. 1935 lebten noch 42 Menschen hier. 1985 waren es noch zwei. Die Beiden sollen übrigens bei den seinerzeitigen Parlamentswahlen in Ponape je eine Stimme dem Sieger und dem Verlierer gegeben haben. Heute leben 9 Menschen auf Oroluk. Ein Ehepaar mit 3 Kindern und 4 junge Männer. Sie sind polynesischen Ursprungs und stammen vom Kapimaranghi-Atoll.

Auf unserer ersten Schnorcheltour schwimmen wir wieder inmitten von Mantas, sehen Weiss- und Schwarzspitzenhaie, schnorcheln mit Grauhaien, Adlerrochen und unzähligen Wasserschildkröten. Die Fische sind unglaublich zutraulich. Wir schwimmen zu einer der Inseln. Sie trägt keinen Namen und so taufen wir sie auf Grund unseres ersten Eindrucks auf den Namen „Sandie“. Keine Baum, kein Strauch wächst hier. Trotzdem haben sich unzählige Vögel zum Nisten hier niedergelassen. Wir sehen schwarze und braune Noddies, Sturmvögel, Seeschwalben, Tölpel und grosse Fregattvögel. Auch sie kennen kaum Berührungsangst und wir können sie beinahe anfassen.

Es regnet und wir besuchen die Familie auf Oroluk. Sie leben hauptsächlich vom Kopra, dem getrockneten Fleisch der Kokosnuss. 1 bis 2mal jährlich kommt ein Schiff vorbei dass ihnen die Ernte abkauft. Sie ernähren sich von den Früchten des Meeres, bauen etwas Taro, Yams und Süsskartoffeln an. Zur Begrüssung gibt’s Palmwein, Falupa. Wie einfach kann es doch sein, Wein zu machen. Allerdings nur wenn man es schafft die Palme hoch zu klettern. Man knickt den Blattstängel einer Kokosnusspalme, steckt ihn in eine Flasche und lässt diese 24 Stunden am Baum hängen. In dieser Zeit füllt sich die Flasche mit wunderbar süssem „Sauser“ und kann frisch gepflückt werden. Die Gärung setzt sofort furios ein und nach weiteren 24 Stunden verfügt der milchige Trank über eine gehörige Portion Alkohol. Er schmeckt süsslich-herb und erinnert uns an den Geruch vergärenden Zuckerrohrsaftes. Die Insel-Jugend fordert uns zum ergiebigen Trunk heraus in der Meinung, dass wir wohl schon in Kürze dem Rausche zum Opfer fallen würden. Wie von uns befürchtet trat das Gegenteil ein. Indem wir die alte Regel befolgten, nach jedem Glas Alkohol mindestens die gleiche Menge Wasser zu trinken, konnte uns die gute alte Falupa nichts anhaben. Die Inseljugend jedoch haben wir am nächsten Tag nicht mehr gesehen.

Heute geht die Fahrt weiter. Es regnet in Strömen und die Wellen tragen Schaumkronen. Die Ausfahrt aus der Lagune, der „Pass“ durch das heimtückische Riff, ist nur schwer auszumachen. Mit Hilfe aller verfügbaren Augenpaare schaffen wir es trotzdem. Das Schiff stampft schwer durch die einbrechende Nacht.

Friday, June 21, 2002

Freitag, 21. Juni Pakin-Atoll, State of Ponape, FSM

Das Pakin- wie auch das Ant-Atoll - gehört zu der Senjavin-Inselgruppe. Wir ankern ausserhalb der Lagune da ein Pass, eine Einfahrt in die Lagune, fehlt. Wir schwimmen und schnorcheln im tiefblauen Wasser und riskieren an der Riffkante einen Blick in die unendliche Tiefe. Fünftausend Meter soll es hier tief sein. Da wir nicht die Absicht haben dies zu überprüfen, verlagern wir unsere schwimmerischen Aktivitäten wieder ins Innere der Lagune. Bei einer Wassertemperatur von 30 Grad lässt es sich lange aushalten.

Gegen Abend werden die Anker gehievt und es geht auf grosse Fahrt. Unser nächstes Ziel ist das Oroluk-Atoll. Die Nacht ist warm und wir schlafen auf dem Oberdeck. Erst gegen Morgen beginnt es zu regnen.


Thursday, June 20, 2002

Donnerstag 20. Juni Insel Pasa, Ant-Atoll

Mit dem Beiboot lassen wir uns nach Pasa übersetzen. Alleine auf einem winzigen Eiland am Ende der Welt! Das Gefühl ist unglaublich. Wir begleiten die Taucher und schnorcheln durch tropische Korallengärten. Wir sind nicht allein: Barrakudas beobachten uns mit ausdruckslosem Blick und wir versuchen uns an die guten Ratschläge aus alten Zeiten zu erinnern. Sind diese Fische nun gefährlich oder nicht ? Nein, nur die grossen Einzelgänger sollen gefährlich sein. Obwohl, manchmal sollen sie auch in Schwarmstärke unangenehm sein. Wir beschliessen mit einer Stimme Mehrheit, dass sie überhaupt nicht gefährlich sind und kümmern uns nicht mehr um die Barrakudas. Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt einer ganzen Herde Teufelsrochen, den Mantas. Fliegenden Teppichen gleich segeln sie auf uns zu. Das riesige Maul aufgerissen, filtern sie Plankton aus dem Wasser. Mit einer „Spannweite“ von über 4 Metern hinterlassen sie einen bleibenden Eindruck.

Wednesday, June 19, 2002

Mittwoch, 19. Juni, Ant-Atoll, State of Ponape, FSM

Die Überfahrt von Ponape zum Ant-Atoll dauert nur wenige Stunden. Das Ant-Atoll – nach andern Quellen heisst es auch Andema-Atoll oder Fraser-Islands – besteht aus 13 Inselchen die, wie zu einer Perlenkette aufgereiht, die Lagune umgeben. Das ganze Atoll ist im Privatbesitz einer Familie aus Ponape

Die Nacht ist klar und der Anblick der Myriaden von Sternen ist überwältigend. Das Kreuz des Südens scheint den Nachthimmel beherrschen zu wollen, das Sternbild des Skorpions ist hier in seiner ganzen Grösse zu sehen, der Grosse Bär grüsst beinahe wie daheim. In wenigen Tagen ist Vollmond und sein Licht zeichnet bereits eine breite Strasse auf das dunkle Meer. Und manchmal antwortet das Meer mit einem fluoreszierenden Meeresleuchten: Tausende von Glühwürmchen scheinen in den Tiefen des Wassers zu blinken.

Tuesday, June 18, 2002

Dienstag, 18. Juni, Nan Madol, Ponape, FSM

Die Stadt besteht aus 92 künstlichen Inseln auf einer Fläche von über 4 km2. Man nennt Nan Madol deshalb auch das mikronesische Venedig. Im Gegensatz zu Venedig ist allerdings über Nan Madol praktisch nichts bekannt. Wer waren die Menschen die vor über 3000 Jahren diese Stätte errichtet haben? Die Einwohner von Ponape waren nie wirklich daran interessiert dieses Geheimnis zu lüften. Als 1907 ein deutscher Wissenschafter plötzlich starb, nachdem er ein altes Grab in der Ruinenstadt geöffnet hatte, fühlten sich die Einwohner bestärkt in ihrem Wunsch, die Ruhe der Toten nicht zu stören. Nan Madol hat seine Geheimnisse bis heute nicht preisgegeben. Manche sind überzeugt, dass die Stadt als Spiegelbild auf einer versunkenen Stadt des verlorenen Kontinents von Lemuria gebaut wurde.

Monday, June 17, 2002

Montag, 17. Juni, Kolonia Harbour, Ponape, FSM

Die Taue werden gelöst und vorsichtig manövrierend verlassen wir den Hafen von Ponape. Das Meer ist rau, die Thorfinn tanzt auf den Wellen, der Kapitän nennt die Fahrt „Rock-and-Roll“. Noch am gleichen Tag ankern wir auf der andern Seite der Insel, vor der mysteriösen Ruinenstadt von Nan Madol.

Thursday, June 13, 2002

Donnerstag 13. Juni, Euroairport Basel

Über Frankfurt, Bangkok und Manila erreichen wir am Freitag 14. Juni 2002 die amerikanische Insel Guam im Pazifik. Nach unendlichen Sicherheitskontrollen auf allen möglichen Flughäfen – Feuerzeuge und Streichhölzer mussten abgegeben, Schuhe ausgezogen und Nagelfeilen vernichtet werden – ist der Empfang bei der Amerikanischen Einwanderungsbehörde unerwartet freundlich. Der Officer gratuliert Monika zum morgigen Geburtstag und gibt sich erstaunt, dass nicht alle Schwedinnen blond sind und Swasiland nicht in Afrika liegt. Aus unerfindlichen Gründen müssen wir keine Visumsformulare ausfüllen und gehen, nach einigen Stunden Aufenthalt in Guam, an Bord einer Maschine die uns über Chuuk nach Ponape bringt.

Gegen Mittag erreichen wir Ponape, die Haupt-Insel der Föderierten Staaten von Mikronesien und Ausgangsort unserer Kreuzfahrt durch die mikronesische Inselwelt. Ponape, die Insel der Regenbogen, wird ihrem Namen mehr als gerecht. Die Wettergötter ziehen sämtliche Register. Tropischer Sonnenschein wechselt im Stundentakt mit heftigen Gewittern. Unzählige Regenbogen verzaubern die ganze Insel den ganzen Tag. Zwei Tage verbringen wir auf Ponape, dieser Insel der düsteren Geheimnisse und fantastischen Geschichten. Wir stehen vor undurchdringlichen Dschungeln und abwehrenden Mangrovenwäldern. Auf Schritt und Tritt begegnen wir den stummen Zeugen des Zweiten Weltkriegs. Unzählige japanische Panzer, verrostete Flugzeugwracks und bedrohlich wirkende Geschützstellungen säumen unsern Weg.

Wir besichtigen die Ruinenstadt Nan Madol, erfrischen uns unter tropischen Wasserfällen und werden von Einheimischen zu einer Sakau-Zeremonie eingeladen. Sakau wird aus den Wurzeln des Pfefferstrauchs (piper mesthysticum) hergestellt. Die Wurzeln werden erst gewaschen und in kleine Stücke geschnitten und anschliessend auf einem grossen Zeremonientisch mit Steinen zerschlagen. Je nach Grund der Zeremonie wird in einer andern Kadenz, in einem andern Rhythmus geschlagen. Die Pulpe wird anschliessend mit Wasser befeuchtet und in frische Hibiskus-Blätter eingewickelt. Dieser Wickel wird ausgiebig geknetet und anschliessend ausgepresst. Der Saft, der Sakau, wird frisch gepresst in Kokosnuss-Schalen serviert. Die ganze Zeremonie wird von einem ranghohen Angehörigen des jeweiligen Clans geleitet. Serviert werden zuerst die ranghöchsten Clanmitglieder und deren Gäste. Die Kokosnuss wird nach jedem Schluck wieder an den verantwortlichen Chief zurück gereicht und wieder aufgefüllt. Während der Zeremonie wird nur ganz leise gesprochen und während des Trinkens müssen die Augen geschlossen sein. Wir meinen aus gutem Grund. Denn Sakau schmeckt nicht nur eigenartig (brackig-erdig) sondern sieht auch so aus. Die Wirkung des Sakaus ist übrigens nicht allzu aufregend. Lippen und Gaumen werden gefühllos, doch der Kopf bleibt absolut klar. Erst nach vielen Sakaus kann es passieren dass „ein Bein nach Norden torkelt während das andere Bein nach Süden marschiert“.

Noch liegt die S.S.Thorfinn am Dock. Lebensmittel werden eingekauft, Treibstoff wird gebunkert und die Zollformalitäten müssen erledigt werden. Wir haben noch Zeit, uns mit unserm Zuhause für die nächsten 2 Wochen vertraut zu machen. Die S.S.Thorfinn (S.S. steht für Steam-Ship, Dampfschiff) wurde 1952 in Norwegen gebaut. Als Trawler war sie für den Walfang in den nördlichen Meeren vorgesehen, kam aber nie zu einem solchen Einsatz. Sie diente als Schlepper und Versorgungsschiff in Kanada und wurde auch mal zur Schatzsuche in der Karibik eingesetzt. Seit über 20 Jahren dampft sie nun als Tauch- und Kreuzfahrtschiff durch die unendlichen Weiten des Pazifiks. Sie ist über 50 Meter lang und 5 Decks hoch. Es ist unmöglich, sich der Faszination dieses Schiffes zu entziehen.