Samstag, 22. bis Mittwoch, 26. Juni Oroluk-Atoll
Das Oroluk-Atoll besteht insgesamt aus 19 Inselchen die eine Lagune von rund 400 km2 umschliessen. Das Atoll wurde erstmals 1824 vom amerikanischen Kapitän William Worth beschrieben. Das heimtückische Riff war noch vor 100 Jahren auf keiner Seekarte eingezeichnet und wurde manchem glücklosen Navigator zum Verhängnis.
Oroluk soll, gemäss alten Erzählungen, früher wesentlich grösser gewesen sein. Im 18. Jahrhundert jedoch soll ein Taifun Land und Leute ins Meer gespült haben. 1935 lebten noch 42 Menschen hier. 1985 waren es noch zwei. Die Beiden sollen übrigens bei den seinerzeitigen Parlamentswahlen in Ponape je eine Stimme dem Sieger und dem Verlierer gegeben haben. Heute leben 9 Menschen auf Oroluk. Ein Ehepaar mit 3 Kindern und 4 junge Männer. Sie sind polynesischen Ursprungs und stammen vom Kapimaranghi-Atoll.
Auf unserer ersten Schnorcheltour schwimmen wir wieder inmitten von Mantas, sehen Weiss- und Schwarzspitzenhaie, schnorcheln mit Grauhaien, Adlerrochen und unzähligen Wasserschildkröten. Die Fische sind unglaublich zutraulich. Wir schwimmen zu einer der Inseln. Sie trägt keinen Namen und so taufen wir sie auf Grund unseres ersten Eindrucks auf den Namen „Sandie“. Keine Baum, kein Strauch wächst hier. Trotzdem haben sich unzählige Vögel zum Nisten hier niedergelassen. Wir sehen schwarze und braune Noddies, Sturmvögel, Seeschwalben, Tölpel und grosse Fregattvögel. Auch sie kennen kaum Berührungsangst und wir können sie beinahe anfassen.
Es regnet und wir besuchen die Familie auf Oroluk. Sie leben hauptsächlich vom Kopra, dem getrockneten Fleisch der Kokosnuss. 1 bis 2mal jährlich kommt ein Schiff vorbei dass ihnen die Ernte abkauft. Sie ernähren sich von den Früchten des Meeres, bauen etwas Taro, Yams und Süsskartoffeln an. Zur Begrüssung gibt’s Palmwein, Falupa. Wie einfach kann es doch sein, Wein zu machen. Allerdings nur wenn man es schafft die Palme hoch zu klettern. Man knickt den Blattstängel einer Kokosnusspalme, steckt ihn in eine Flasche und lässt diese 24 Stunden am Baum hängen. In dieser Zeit füllt sich die Flasche mit wunderbar süssem „Sauser“ und kann frisch gepflückt werden. Die Gärung setzt sofort furios ein und nach weiteren 24 Stunden verfügt der milchige Trank über eine gehörige Portion Alkohol. Er schmeckt süsslich-herb und erinnert uns an den Geruch vergärenden Zuckerrohrsaftes. Die Insel-Jugend fordert uns zum ergiebigen Trunk heraus in der Meinung, dass wir wohl schon in Kürze dem Rausche zum Opfer fallen würden. Wie von uns befürchtet trat das Gegenteil ein. Indem wir die alte Regel befolgten, nach jedem Glas Alkohol mindestens die gleiche Menge Wasser zu trinken, konnte uns die gute alte Falupa nichts anhaben. Die Inseljugend jedoch haben wir am nächsten Tag nicht mehr gesehen.
Heute geht die Fahrt weiter. Es regnet in Strömen und die Wellen tragen Schaumkronen. Die Ausfahrt aus der Lagune, der „Pass“ durch das heimtückische Riff, ist nur schwer auszumachen. Mit Hilfe aller verfügbaren Augenpaare schaffen wir es trotzdem. Das Schiff stampft schwer durch die einbrechende Nacht.

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