Thursday, June 13, 2002

Donnerstag 13. Juni, Euroairport Basel

Über Frankfurt, Bangkok und Manila erreichen wir am Freitag 14. Juni 2002 die amerikanische Insel Guam im Pazifik. Nach unendlichen Sicherheitskontrollen auf allen möglichen Flughäfen – Feuerzeuge und Streichhölzer mussten abgegeben, Schuhe ausgezogen und Nagelfeilen vernichtet werden – ist der Empfang bei der Amerikanischen Einwanderungsbehörde unerwartet freundlich. Der Officer gratuliert Monika zum morgigen Geburtstag und gibt sich erstaunt, dass nicht alle Schwedinnen blond sind und Swasiland nicht in Afrika liegt. Aus unerfindlichen Gründen müssen wir keine Visumsformulare ausfüllen und gehen, nach einigen Stunden Aufenthalt in Guam, an Bord einer Maschine die uns über Chuuk nach Ponape bringt.

Gegen Mittag erreichen wir Ponape, die Haupt-Insel der Föderierten Staaten von Mikronesien und Ausgangsort unserer Kreuzfahrt durch die mikronesische Inselwelt. Ponape, die Insel der Regenbogen, wird ihrem Namen mehr als gerecht. Die Wettergötter ziehen sämtliche Register. Tropischer Sonnenschein wechselt im Stundentakt mit heftigen Gewittern. Unzählige Regenbogen verzaubern die ganze Insel den ganzen Tag. Zwei Tage verbringen wir auf Ponape, dieser Insel der düsteren Geheimnisse und fantastischen Geschichten. Wir stehen vor undurchdringlichen Dschungeln und abwehrenden Mangrovenwäldern. Auf Schritt und Tritt begegnen wir den stummen Zeugen des Zweiten Weltkriegs. Unzählige japanische Panzer, verrostete Flugzeugwracks und bedrohlich wirkende Geschützstellungen säumen unsern Weg.

Wir besichtigen die Ruinenstadt Nan Madol, erfrischen uns unter tropischen Wasserfällen und werden von Einheimischen zu einer Sakau-Zeremonie eingeladen. Sakau wird aus den Wurzeln des Pfefferstrauchs (piper mesthysticum) hergestellt. Die Wurzeln werden erst gewaschen und in kleine Stücke geschnitten und anschliessend auf einem grossen Zeremonientisch mit Steinen zerschlagen. Je nach Grund der Zeremonie wird in einer andern Kadenz, in einem andern Rhythmus geschlagen. Die Pulpe wird anschliessend mit Wasser befeuchtet und in frische Hibiskus-Blätter eingewickelt. Dieser Wickel wird ausgiebig geknetet und anschliessend ausgepresst. Der Saft, der Sakau, wird frisch gepresst in Kokosnuss-Schalen serviert. Die ganze Zeremonie wird von einem ranghohen Angehörigen des jeweiligen Clans geleitet. Serviert werden zuerst die ranghöchsten Clanmitglieder und deren Gäste. Die Kokosnuss wird nach jedem Schluck wieder an den verantwortlichen Chief zurück gereicht und wieder aufgefüllt. Während der Zeremonie wird nur ganz leise gesprochen und während des Trinkens müssen die Augen geschlossen sein. Wir meinen aus gutem Grund. Denn Sakau schmeckt nicht nur eigenartig (brackig-erdig) sondern sieht auch so aus. Die Wirkung des Sakaus ist übrigens nicht allzu aufregend. Lippen und Gaumen werden gefühllos, doch der Kopf bleibt absolut klar. Erst nach vielen Sakaus kann es passieren dass „ein Bein nach Norden torkelt während das andere Bein nach Süden marschiert“.

Noch liegt die S.S.Thorfinn am Dock. Lebensmittel werden eingekauft, Treibstoff wird gebunkert und die Zollformalitäten müssen erledigt werden. Wir haben noch Zeit, uns mit unserm Zuhause für die nächsten 2 Wochen vertraut zu machen. Die S.S.Thorfinn (S.S. steht für Steam-Ship, Dampfschiff) wurde 1952 in Norwegen gebaut. Als Trawler war sie für den Walfang in den nördlichen Meeren vorgesehen, kam aber nie zu einem solchen Einsatz. Sie diente als Schlepper und Versorgungsschiff in Kanada und wurde auch mal zur Schatzsuche in der Karibik eingesetzt. Seit über 20 Jahren dampft sie nun als Tauch- und Kreuzfahrtschiff durch die unendlichen Weiten des Pazifiks. Sie ist über 50 Meter lang und 5 Decks hoch. Es ist unmöglich, sich der Faszination dieses Schiffes zu entziehen.

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