Thursday, June 27, 2002

Donnerstag, 27. Juni Minto Reef, Ponape, FSM

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 5.5 N 155.7 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 35 to 45 knots.

Das Minto-Riff ist nicht wirklich ein Atoll und schon gar keine Insel. Man könnte es als Unterwasser-Atoll bezeichnen, das an seiner höchsten Stelle knapp bis unter die Wasseroberfläche reicht. Aber eben nur knapp. Und genau dies wurde hunderten von Schiffen zum tödlichen Verhängnis. Als wir uns diesen nicht wirklichen Inseln nähern, sehen wir zuerst nur Schiffwracks. Zu Dutzenden haben sie sich in die unsichtbaren Riffs gepflügt, sitzen immer noch aufrecht auf der Riffkante oder haben sich, müde geworden ob all der Meeresgewalt, in die Brandung geworfen. Sie liegen auf dem Meeresgrund, in Stücke gerissen, zerfleischt von der Urgewalt der Strömung.

Der Himmel ist grau, immer wieder regnet es und der Wind frischt auf. Trotzdem schnorcheln und tauchen wir an diesem Riff der verlorenen Seelen. Grauhaie bewachen die stählernen Leiber, riesige Papageienfische knabbern unerhört laut an bunten Korallenstöcken, Schildkröten so gross wie Gartentische bewegen sich elegant, Barrakudas stehen friedlich in der Strömung.

Unser Kapitän, ein gross gewachsener Kanadier, der genauso aussieht wie man sich als nicht seefahrender Schweizer einen Kapitän vorstellt, drängt zum Aufbrauch. Sturm ist angesagt. Nicht, dass ein Sturm diesen Kapitän wirklich beunruhigen könnte. Er ist 60 Jahre alt, hat alle Meere dieser Welt bereist und gehört wohl zu den Menschen die locker behaupten können, dass sie alles, wirklich alles erlebt haben.

Trotzdem, oder eben vielleicht genau deshalb lichten wir den Anker und fahren westwärts. Der Sturm nimmt zu. Wir dürfen uns nur noch auf dem Oberdeck aufhalten, die Wellen könnten uns sonst mitreissen. Ich verteile meine letzten 2 Packungen Reisetabletten – an die Crew. Schon eigenartig, dass die einzigen Bürger einer nicht Schiff fahrenden Nation auf diesem Schiff auf die Segnungen der Pharmaindustrie verzichten können.

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