Thursday, July 04, 2002

Donnerstag, 4. Juli, Truck Stop Hotel, Weno, Chuuk-State, FSM

Typhoon-Warning: Chataan was located 13.6 N 144.9 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 95 to 120 knots

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht im Hotel erfahren wir beim Frühstück die Neuigkeiten des Tages: der Taifun Chataan ist auf dem Weg nach Guam. Und genau dort hin sollten wir heute fliegen. Also weiterhin keine Ahnung ob der Flug wirklich geht. Trotzdem organisieren wir uns frühzeitig einen Transport zum Flughafen. Und schaffen es tatsächlich in die Luft. Der Pilot verspricht uns einen holprigen Flug. Die Landung in Guam gelingt deshalb auch erst beim zweiten Mal und wir schaffen es nur mit einem Spurt auf den Anschlussflug nach Manila. Dort erfahren wir, dass der Flughafen Guam nach unserm Abflug geschlossen worden sei. Unser stürmischer Begleiter Chataan hatte die Insel in der Zwischenzeit erreicht. Typhoon-Warning: Chataan was located near Guam. Winds etstimated 100 to 140 knots. Der Taifum verwüstet auch Guam. Dank einem ausgebauten Vorwarnsystem kommen keine Menschen zu Schaden. Der Sachschaden beläuft sich auf über 50 Millionen Franken.Der Taifun dreht nach Norden ab Richtung Japan. Am 7. Juli wird er zum Super-Taifun erklärt. Er fegt mit Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich 190 km/h und Spitzen von über 240 km/h durch den Pazifik. Erst am 12. Juli hat er seine Energie verbraucht und beendet sein stürmisches Leben in der Nähe der japanischen Küste.

Nach einem Reisebericht von Monika Gsell, aufgezeichnet von Hanspeter Gsell

Wednesday, July 03, 2002

Mittwoch, 3. Juli, Chuuk Lagoon, bei Dublon

Typhoon-Warning: Chataan was located 9.7 N 149.2 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 65 to 100 knots

Heftige Böen haben das Schiff erfasst und es dreht sich um den Anker. Der Kapitän steuert die S.S. Thorfinn trotzdem – oder vielleicht genau deswegen - näher an die Hauptinsel von Chuuk, Moen. Überall auf den Inseln sehen wir die Wunden der verheerenden Erdrutsche. Und wir hoffen, dass unsere einheimischen Freunde fliehen konnten. Im Inselradio hören wir, dass es
viele Tote und Verletzte auf den Inseln gegeben hat. Irgend jemand sagt uns dass vielleicht trotzdem heute noch ein Flug nach Guam starten werde. Obwohl der Wind weiter zunimmt und die Wellen bedrohliche Höhe annehmen, entschliessen wir uns, die Überfahrt zur Insel zu wagen. Der Wind bläst mit 90-120 km/h, die Wellenhöhe beträgt gut und gern 4 Meter. Mit dem Beiboot durchqueren wir, mehr torkelnd als fahrend, die Lagune. Schon nach Sekunden sind wir völlig durchnässt. Irgendwann will der Motor aussetzen und wir versuchen es mit einem kleinen Stossgebet. Nach schätzungsweise 3 Tagen, in Wirklichkeit waren es 45 Minuten, finden wir die vielleicht einzige geschützte Stelle zum Landen. Aufgeweicht bis auf die Knochen verlassen wir beim Postoffice die Nussschale und freuen uns erstmals über das neue Leben. Nach einer halben Stunde gelingt es uns, einen freundlichen Autofahrer anzuhalten, der uns zum Flughafen bringt. Der allerdings ist, bis auf eine einsame Mitarbeiterin von Continental Airlines, verwaist. Diese ausgesprochen hilfsbereite Lady kann uns jedoch einen Flug für Morgen organisieren und bestätigt uns sogar sämtliche Flüge bis nach Basel.

Tuesday, July 02, 2002

Dienstag, 2. Juli, Chuck Lagoon bei Dublon

Typhoon-Warning: Chataan was located 6.7 N 155.0 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 55 to 75 knots.

Es regnet. Es regnet in Bindfäden. Die Sicht, beträgt sie 2 Meter oder 4 Meter? Egal, es gibt keine Sicht, keine Flüge. Die Lagune, sonst so blau wie in der Reklame, färbt sich braun. Wenn es die Sicht zwischen zwei Regengüssen erlaubt, sehen wir die Inseln. Es sind nicht mehr die Inseln wie wir sie kennen. Ganze Palmenhaine sind wie von Geisterhand verschwunden. Braune Narben voller Schlamm wälzen sich in das Meer und wir möchten uns nicht vorstellen was hier passiert ist. Das Meer kocht, schäumt und verschlingt alles was in seine Reichweite kommt. Der Kapitän teilt uns mit, dass das Strom- und Telefonnetz auf der Insel ausgefallen ist. Zur Zeit ist keine Kommunikation möglich. Ob, wann und wohin ein Flugzeug die Insel verlässt ist nicht in Erfahrung zu bringen. In der Nacht bietet die Natur ein unvergleichliches Schauspiel. Ein Wetterleuchten erhellt minutenlang die Lagune und die umliegenden Inseln. Und wieder herrscht Entsetzen bei den Einheimischen. Denn auch Wetterleuchten hat der Herrgott in dieser Weltgegend nicht vorgesehen. Genauso wenig wie Telefon- oder Funkverbindungen.

Monday, July 01, 2002

Montag, 1. Juli, Chuuk Lagoon, bei Dublon

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 7.4 N 153.4 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 40 to 55 knots.

Wir hören im Radio, dass der Flughafen wegen des Sturms geschlossen wurde. Eigentlich sollten wir morgen abfliegen. Der Wind frischt auf, wird zum Sturm, es regnet ununterbrochen. Der Kapitän erwartet heute Nacht den Taifun. Er heisst Chataan, kommt aus Ponape und man rechnet mit Windspitzen bis zu 200 km/h. Die Crew fixiert alles was nicht niet- und nagelfest ist. Und trotzdem fühlen wir uns auf der S.S. Thorfinn, diesem mächtigen Schiff, gut aufgehoben.

Als der Blitz in unserer Nähe ins offene Wasser einschlug, war die Wirkung unglaublich. Der nachfolgende Donner war unvergesslich. Vielleicht nicht für einen Gewitter-erprobten Europäer, aber in jeder Hinsicht für einen gestandenen Mikronesier. Sie flüchteten sich in den wohligen Bauch des Schiffes, versteckten sich in den Eingeweiden des Maschinenraums und bedeckten sich mit Kissen. Können Sie sich vorstellen wie es ist, wenn man noch nie im Leben ein Gewitter erlebt hat?

Sunday, June 30, 2002

Sonntag, 30. Juni, Chuuk Lagoon, bei Dublon

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 5.7 N 156.0 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 35 to 50 knots.

Es ist bewölkt aber etwas ruhiger. Kommt der Taifun, oder kommt er nicht ? Die S.S.Thorfinn hievt den Anker und sucht sich eine ruhigere Stelle im Windschatten der Insel.

Saturday, June 29, 2002

Samstag, 29. Juni, Chuuk Lagoon, bei Dublon

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 6.4 N 155.6 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 45 to 60 knots.

Es regnet den ganzen Tag wie aus Kübeln. Die Taifun-Warnung beschäftigt uns und wir versuchen uns etwas theoretisches Wissen über tropische Stürme anzueignen. Wir rechnen Knoten und Seemeilen in Beauforts und Kilometer um. Die auf den heutigen Tag in Aussicht gestellten 60 Knoten entsprechen nach unsern Berechnungen einer Windgeschwindigkeit von 110 km/h. Das entspricht in etwa Windstärke 11 auf der Beaufort-Skala. („Orkanartiger Sturm, schwere Sturmschäden und aussergewöhnlich hohe Wellenberge sind zu erwarten“).

Ab 150 km/k (Windstärke 14) wird dann aus dem Sturm offiziell ein Hurrikan oder Taifun der Klasse 1. Ab 210 km/h (Windstärke 17 plus) spricht man von einem Super-Taifun.

Friday, June 28, 2002

Freitag, 28. Juni, Chuuk Lagoon, Chuuk State, FSM

Tropical Storm Chataan was located in the Western Pacific Ocean near 5.8 N 155.3 E at 12.00 UTC. Moving northwestward. Winds estimated 35 to 50 knots.

Im frühen Morgen erreichen wir die Lagune von Chuuk. Noch vor der Dämmerung haben wir den nordöstlichen Pass durchquert. Der Himmel ist grau. Aus der Sturmwarnung wird eine Taifun-Warnung. Einige unserer einheimischen Freunde verlassen das Schiff um nach ihren Familien zu sehen. Es regnet ununterbrochen. Trotzdem ist Barbecue angesagt und wir feiern eine gelungene Expedition.